Presseauswahl BILDERZERSTÖRER

 

in Koproduktion mit Teatr Rozbark (Bytom/Polen) UA 18.9.2020 Theater im Pumpenhaus, Münster;

danach in Köln, Leipzig, München und Bytom

 

 

 

 

… ein Blumenstrauß, der im After eines Tänzers seine Vase findet, ein Shakespeare-Sonett, das ein Transvestit im Kurt-Weill-Stil zum Vortrag bringt, und eine weißberockte Ballerina, die sich wie eine Barockfigur auf einem Tisch dreht, spielen in dem hochtourig dargeboten Happening eine Rolle. Welche Rolle genau, das muss der Zuschauer schon selber herausfinden. Und er tut gut daran, sich dabei nicht auf seine Ratio zu verlassen, sondern seine Sinne und sein Assoziationsvermögen zu benutzen. Denn die bekommen hier mehr als genug geboten, mit dem sie arbeiten können.

 

Westfälische Nachrichten, 21.9.

 

 

Ein visuell-akustisch-emotionaler Urknall: Yoshiko Waki und Rolf Baumgart legen mir ihrem neuen Stück erneut einen aktuellen politischen Tanzabend vor, der vor allem durch beeindruckende Bilder in Bann schlägt. […] Es ist ein schneller Abend, den die insgesamt acht Protagonist*innen mit viel Verve abliefern. […] schafft es Bodytalk einmal mehr, den Finger in die Wunden der Wohlstandsgesellschaft zu legen und legt zudem einen energetisch extrem dichten Abend mit starken Bildern vor.

 

Tanznetz, 19.9.

 

 

Getanzte Ideologiekritik also – dass sie sowas können, haben Yoshiko Waki und Rolf Baumgart von Bodytalk schon öfter bewiesen. Und auch hier gehen sie wieder lautstark, grellbunt und mit unbändiger Dynamik zu Werk. […] Gemäß dem Philosophen Jürgen Habermas bedingen moderne Medien sowohl einen Realitätsgewinn als auch einen Realitätsverlust, und in diesen Zwischenbereich will das Tanz-Theater-Ensemble sein Publikum mitnehmen […] Und es ist bestens gelungen.

 

Münstersche Zeitung, 21.9.

 

 

...wie diese Inszenierung zwischen anarchischer Zelebration und straff choreografiertem Chaos, wird „Bilderzerstörer“ zu einem Ideendelirium, das ununterbrochen Bilder produziert und wieder zerstört. Was aber bleibt, gleich einem Postulat, sind die tanzenden Körper. Kraftvoll und individuell, widerspenstig gegen Domestizierung. Ganz und gar unmittelbar. Warum Bodytalk bezüglich ihrer Arbeit gern den Begriff „Performance“ durch „Performensch“ ersetzen, wird hier mehr als sinnfällig. Bilder erschaffen um Bilder zu zerstören um Blickachsen zu öffnen. Hin zu den Fragen, die kaum noch einer stellt. Im Kern ist es das, was Waki und Baumgart plus Company mit „Bilderzerstörer“ einmal mehr betreiben. Das „Politische“ dieser sich ja erklärtermaßen als politisch begreifenden Bodytalk-Kunst, liegt somit vor allem darin, in der Intention nicht schon das Ergebnis, im Ausgangs- nicht schon den Endpunkt zu fixieren. Das vorab Gedachte ist nicht unbedingt das Getanzte. Denken braucht Fixpunkte, Tanz, Horizont und Raumtiefe. Und die Blickachse, die sich hier dabei öffnet, zeigt (bebildert!), wie hinter all unserer bebilderungsgeilen Modernität die ganz alten Energien wirken.

„Bilderzerstörer“ tanzt den „Mythos vom Zivilisationsprozess“ und ist darin auch ein gutes Stück Hexensabbat und schamanistische Reise; zelebriert die Selbstbehauptung des Körpers gezielt als auch atavistischen Moment. Der atavistische Moment nun, ist ein anarchischer – und dieser hier wiederum oft auf sardonische Art sehr witzig. Soll heißen: Neben vielem anderen, ist „Bilderzerstörer“ vor allem auch eins – ausgesprochen unterhaltsam.

 

tanzweb, 5.10.20

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